SEEHAUSEN/MZ. 850 Jahre ist es 2009 her, dass sich Flamen, aus Belgien kommend, in der Region ansiedelten - im später nach ihnen benannten Fläming. Es war eine "stille Invasion" ohne kriegerische Auseinandersetzungen. Die Flamen brachten Brauchtum mit, das sich bis heute erhalten hat.
Dieses und die Kontakte zu den Flamen zu pflegen, hat sich der in Wittenberg ansässige Verein Fläming-Flandern auf die Fahne geschrieben. Er wurde am 14. November 2002 mit der Eröffnung des Kontaktbüros Fläming-Flandern in der Lutherstadt gegründet. Zum sechsjährigen Bestehen trafen sich zahlreiche Mitglieder in der Kulturscheune der Fläminggemeinde Seehausen im brandenburgischen Landkreis Teltow-Fläming.
Es ging einerseits um die Erinnerung an die Vereinsgründung, andererseits um den 850. Jahrestag der Besiedlung. Schon die hochkarätige Besetzung der Konferenz zeigte, dass dieses Jubiläum quasi zur Chefsache zweier Landesregierungen wird. Von sachsen-anhaltischer Seite nahm Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU) teil, Brandenburg hatte Wolfgang Balint von der Europaabteilung der Staatskanzlei in Potsdam nach Seehausen entsandt. Herzlich begrüßt wurde Walter Moens, Repräsentant der Flämischen Regierung der Belgischen Botschaft aus Berlin.
Ulrich Höhne aus Wittenberg, Vorsitzender des Vereins Fläming-Flandern, begrüßte die Gäste und erinnerte an einige Höhepunkte in der sechsjährigen Vereinsgeschichte, unter anderem an das Stadtfest "Luthers Hochzeit" in Wittenberg und das Fläming-Frühlingsfest in Lehnin. Da wurden die Fahnenschwinger aus Flandern begrüßt. Ein Chor aus dem belgischen Sint Niklas besuchte die Lutherstadt, und die Stiftung Christliche Kunst Wittenberg ist derzeit mit einer Ausstellung im Schloss Cortevalle in der Stadt Beveren präsent (siehe "Schau in Beveren").
Werner Moens ist erst seit kurzem in der Botschaft in Berlin tätig. Er bezeichnet sich selbst als Wanderer, arbeitete im Auftrag seiner Regierung schon in Wien, Prag und Budapest. Er wandert aber auch wirklich! Auf Schusters Rappen will er jeden Ort des Flämings erkunden, versicherte der Historiker in Seehausen. "Die Region ist für mich ein Muss", sagte er. Bei den Wanderungen gemeinsam mit seiner Frau möchte er Land und Leute kennen lernen. Dem Wittenberger Verein wünschte er weiterhin eine "wunderschöne Zusammenarbeit" mit seinen Landsleuten.
Wirtschaftsminister Reiner Haseloff äußerte, seine familiären Wurzeln lägen im Fläming. Er erinnerte dabei an den kleinen Ort Haseloff. Der Minister betonte, dass der Fläming eine Landesgrenzen übergreifende Region wäre und versicherte, dass er sich in der Magdeburger Landesregierung für eine Zusammenarbeit beider Bundesländer stark machen werde. Das beträfe nicht nur die 850-Jahr-Feier der Besiedlung, sondern auch das Fläming-Frühlingsfest, das im nächsten Jahr am 25. und 26. April in Coswig an der Elbe im Landkreis Wittenberg stattfinden soll.
Der brandenburgische Staatsminister Wolfgang Balint hob den Fläming als eine Region im Herzen Europas hervor. Vor allem der Tourismus müsse deshalb länderübergreifend gepflegt und entwickelt werden. Sieglinde Heppener, Abgeordnete der SPD im brandenburgischen Landtag, unterstrich die Bedeutung der Aktivitäten, die das Ziel hätten, junge Leute in der Region zu halten oder "Auswanderer" wieder zur Rückkehr in die Heimat zu bewegen. Das Heimatgefühl müsse erhalten werden, unterstrich sie.
Höhepunkt der Erinnerung an die Besiedlungsgeschichte des Flämings durch die Flamen soll im Mai 2009 ein Treck vom belgischen Brügge nach Brück sein. Sechs Wagengespanne mit stämmigen Kaltblutpferden davor sollen auf die Strecke geschickt werden, um zu verdeutlichen, welche Strapazen die Besiedler damals auf sich genommen hatten. "Titanen on Tour" ist der Treck betitelt. "Das ist das ehrgeizigste Projekt des Jahres", sagte Vereinsvorsitzender Ulrich Höhne. Als weitere Höhepunkte nannte er die Deutsch-Flandrischen Musiktage in Kirchen des Fläming mit einem Chor aus Wijnegem sowie die Fläming-Wanderwochen im September 2009. Dazu ist ein flandrischer Wanderverein eingeladen.
In einem Symposium der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg an der Leucorea in der Lutherstadt soll vom 19. bis 21. November die Besiedlungsgeschichte des Flämings beleuchtet werden. An dem Projekt sind die Forschungsgruppe "Studium Hallense" sowie die Universität Leuven beteiligt. Im Frühjahr ist außerdem eine Ausstellung "Jos Hendrickx - flandrischer Maler" im alten Rathaus von Wittenberg geplant. Es wird ein Gemeinschaftsprojekt der Stiftung Christliche Kunst Wittenberg mit der Piet-Staut-Kring Beveren / Kunsthochschule Antwerpen.
Ein Auftritt der Flämingtrachtengruppe Seehausen in der Kulturscheune rundete die Zusammenkunft des Vereins Fläming-Flandern ab. Im Museum war außerdem eine Sonderausstellung zu sehen. "Otto Bölke - der Flämingpastor aus Blönsdorf" war sie betitelt. Der Geistliche lebte von 1873 bis 1946 und war ein großer Chronist der regionalen Geschichte im Fläming. Die Exposition war eine Leihgabe seiner beiden Enkel Hans-Dieter und Hans-Joachim. Sie waren bei der Feier in Seehausen mit dabei.
Sich stark gemacht für das Treffen in Seehausen und es organisiert hatten Peter Schulze und Ortsvorsteher Wilhelm Schröter. Sie sind Angehörige des Vereins, der rund 50 Mitglieder zählt. Darunter auch Belgier, Österreicher und Schweizer.