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Sie sind alle wieder da

Die Friedensmission „Titanen on Tour“ ins ferne Russland ist erfolgreich zu Ende gegangen – Die zwei- und vierbeinigen Teilnehmer sind wohlbehalten in Brück angekommen

Von Andreas Koska - MAZ vom 13.10.2018

Brück. Kurz nach 18.30 Uhr am Donnerstag waren sie alle zurück: Die letzten Wagen der Titanen mit Pferdeanhängern sind in der Brücker Lindenstraße angekommen. Mulis und Hengste wurden noch entladen, da waren die zwölf Kaltblutstuten und Wallache schon im Stall und erfreuten sich an frischem Heu und Wasser. „Es ist vollbracht, wir sind wieder gesund in Brück angekommen“, sagte Thomas Haseloff zum Abschluss. Er dankte allen, die ihn und die „Titanen on Tour“ vor und während des 2330 Kilometer langen Trecks von Brück ins russische Weliki Nowgorod unterstützt haben. „Wir haben Menschen erreicht und Freunde gewonnen.“

Vom Anfang bis zum Ende dabei war Friedbert Enders, der die Tour zudem im Vorfeld maßgeblich mitgeplant hat. Ihm dankte Thomas Haseloff besonders. Die Teilnehmer waren erstaunt, dass überall am Weg viele Menschen den Treck begrüßt haben und sie immer wieder erkannt worden sind. „Zum Beispiel, als wir allein mit dem Trecker und dem angehängten Kremser durch Polen fuhren. Unsere Botschaft ist angekommen“, glaubt Haseloff.

Einige Hürden

Er ist mit Gerd Stock und Detlef Starke drei Tage und Nächte lang ohne Pause auf dem Trecker von Russland nach Brück gefahren. Am Donnerstag sah man ihm die Anstrengung an, trotzdem umspielte eine zufriedenes Lächeln sein Gesicht. Dass sie es geschafft haben, freute besonders Detlef Starke. Der 11. Oktober ist sein Hochzeitstag – und so konnte der Mann aus Zerbst diesen doch noch mit seiner Frau begehen. Das stand nämlich zwischenzeitlich auf der Kippe. Denn die Fahrt mit dem Trecker über Landstraßen sei nicht immer ohne Probleme abgegangen. Allerdings hatten die Tiertransporter noch größere Hürden zu überwinden. Zwei Tage wurden sie an der estnischen Grenze und damit der EU-Außengrenze aufgehalten, weil ein Stempel fehlte. In Polen wurden sie gründlich von der Polizei kontrolliert, was ebenfalls zu Verzögerungen führte und 250 Euro gekostet hat.

Gastfreundschaft erlebt

„Vielleicht nur ein klein wenig, aber ich bin mir sicher, dass wir etwas für den Frieden in Europa getan haben“, resümierte Thomas Haseloff und betonte, dass sie sich besonders in Russland willkommen gefühlt haben. Das empfand auch Gerd Stock so. Der 73-jährige Altmärker war ab Riga dabei und möchte die Erfahrung nicht mehr missen. „Die Gastfreundschaft und die Unterkünfte waren toll“, erzählt er bei der Ankunft.
Auch für den Brücker Bürgermeister Matthias Schimanowski war die Tour eine herausragende Leistung auf dem Weg zur Verständigung zwischen den Menschen und Nationen. „Aber auch sicher eine tolle Werbung für unsere Stadt“, sagte er. Trotzdem sind die Macher um Haseloff noch dabei, weitere Spenden für das Vorhaben einzuwerben.

Geld reicht noch nicht

Hans-Jürgen Siebold vom Organisationsteam war für die Finanzen verantwortlich und beziffert das veranschlagte Budget mit 400.000 Euro. Davon kommen 68.000 Euro von der Lottostiftung und 67.000 Euro von der Bundesregierung. Mit einer fast gleich hohen Summe hat Detlev Seeliger, der Eigner der Borkheider Firma Mapco, das Vorhaben unterstützt. Er spendete 60.000 Euro, weitere Spenden von Firmen, der Kirche und Privatpersonen kamen hinzu. „Es reicht aber bei weitem nicht, denn es gab viele unvorhersehbare Kostenfaktoren“, berichtet Haseloff. Ob Fahrzeugreparaturen – ein Trecker ist im Graben gelandet – oder die alltäglichen Kosten. „Polen war preiswert, ein Drittel der vorgesehenen Kosten in Russland wurden uns dort gesponsert, die baltischen Staaten waren extrem kostenintensiv“, berichtete Siebold, der jeden Cent umdrehen musste.

Woidke lobte Mission

Trotzdem möchten alle 98 aktiven Treckteilnehmer das Erlebnis nicht missen. Sie sind mit acht Planwagen, einem Trecker und einigen weiteren Fahrzeugen durch die sechs Länder gezogen. Begleitet von acht Kaltblutstuten und sechs Wallachen, dazu zwei Hengste und auch noch zwei Mulis. „Es war toll zu sehen, wie gut es die Pferde vertragen haben. Der Treck war ein Beitrag zur Erhaltung der Rasse“, ist Gerhard Thiele überzeugt. Der Landwirt und Fachmann hat sich sehr über die gute Kondition der Pferde gefreut. „Ich bin mir sicher, dass der Friedenstreck eine Menge bewegt und mit seiner Aktion die Menschen vor Ort näher zusammengebracht hat.
Auch, wenn die Tour nun zu Ende geht, bleiben die Begegnungen und Eindrücke unvergessen", ist auch Ministerpräsident Dietmar Woidke überzeugt, der die Friedensmission lobte. Jetzt hofft Thomas Haseloff, dass zum einem die zugesagten Lottomittel endlich fließen und zum anderen genügend weitere Spenden eingehen, um alle Rechnung zahlen zu können.

Weitere Ideen im Kopf

„Es wird niemand auf seinen Kosten sitzen bleiben, alle Forderungen werden auf jedem Fall erfüllt“, beruhigte Detlev Seeliger bei der Pressekonferenz am Freitag. Er schlug auch gleich vor, weitere Touren zu planen – und dabei zum Beispiel der Hannibal-Alpenquerung zu folgen oder den Jakobsweg zu erkunden.

Wir haben
Menschen
erreicht und
Freunde
gewonnen.
Thomas Haseloff
Treck-Begleiter

Die Pferde haben sich gefreut, wieder auf ihre heimische Weide zu können. Quelle: Andreas Koska

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