Die Projektidee


Seit der nachweislich im Jahre 1159 von Erzbischof Wichmann von Magdeburg verfügten Gründung zweier flämischer Kolonien an der mittleren Elbe, die in Anwesenheit Albrechts des Bären erfolgte, sind 850 Jahre vergangen. Das ist für die Fläming-Landkreise der Anlass, das Jahr 2009 als Jubiläumsjahr für den Beginn der Besiedlung des Flämings durch die Flamen auszurufen.
Die Landschaft des Flämings erstreckt sich heute über 5 Landkreise - Potsdam- Mittelmark, Teltow-Fläming, Anhalt-Bitterfeld, Jerichower Land, Wittenberg und die kreisfreie Stadt Dessau-Roßlau - in den beiden Bundesländern Brandenburg und Sachsen-Anhalt. Im 12. Jahrhundert dehnte der Askanierfürst Albrecht der Bär, Markgraf von Brandenburg, seine Besitzungen zielstrebig nach Osten aus. Gemeinsam mit Erzbischof Wichmann von Magdeburg eroberte er im Juni 1157 das Land um Jüterbog. Um das Land zu besiedeln, suchte er bereitwillige und tüchtige Einwanderer. Sie sollten nicht nur dem Christentum verhaftet sein, sondern auch Brunnen bauen können, die die stellenweise achtzig bis 100 Meter dicke Lößsandschicht durchdringen. Er fand sie in Flandern und Holland. Dort schickte er seine Werber hin, und viele Leute aus den "Niederen Landen" und der Nordsee folgten seiner Einladung. In langen Trecks, meistens mit Planwagen, führten Wichmanns Werber sie in eine neue Heimat. Sie erschlossen die Wildnis, gründeten Dörfer und bauten Kirchen. Vielfach nannten sie die neuen Siedlungen nach dem alten Zuhause im fernen Norden. So hat der Name Brück seinen Ursprung in Brügge. Der Landstrich, der im 12. Jahrhundert überwiegend von flämischen Siedlern urbar gemacht wurde, ist zum Fläming geworden. [Quelle: Christa und Johannes Jankowiak: Wanderungen durch den Fläming]
Die Siedler brachten aber nicht nur Kenntnisse im Brunnenbau mit, sondern auch neue landwirtschaftliche Geräte, z.B. einen speziellen Pflug, sie brachten neue Anbaumethoden und unbekannte Feldfrüchte in das unterentwickelte Land. Wir schwärmen heute vom Beelitzer Spargel und vom Kürbis, die wir der flämischen Besiedlung verdanken.
Um die großartigen Leistungen unserer Vorfahren zu würdigen und unsere europäischen Wurzeln wieder verstärkt in das Bewusstsein der Menschen im Fläming (und darüber hinaus) zu rufen, wurde die Idee im Kaltblut Zucht- und Sportverein Brück e.V. geboren, im Jubiläumsjahr 2009 einen solchen historischen Siedlerzug nachzuvollziehen.
So wie um 1159 ganze Siedlergruppen, meistens in Planwagen, gezogen von starken Kaltblutpferden, von Brügge in Flandern gen Osten in den Fläming zogen, soll der Treck im Jahr 2009 noch einmal von Brügge nach Brück ziehen und von der gemeinsamen Geschichte künden. Mit diesem Projekt wollen die es tragenden Vereine für die europäische Integration werben und Menschen über regionale und sogar nationale Grenzen hinweg aktivieren. Europa entstand und entsteht durch Bewegung. Der Siedlerzug der Flamen im 12. Jahrhundert ins Brandenburgische ist ein Beleg dafür: Wir in Europa haben gemeinsame kulturelle Wurzeln und Werte, auf denen erst die politische und ökonomische Entwicklung fußen kann. Uns in Europa kennenzulernen, gemeinsame Aktivitäten zu starten und uns bewusst zu machen: woher kommen wir, wo stehen wir, wohin geht es in Zukunft... - das ist auch Ziel unseres Zuges. Weil der Treck heute lokale, regionale und sogar nationale Grenzen überschreitet, trägt es gleichzeitig eine europäische Dimension. "Wir können unsere gemeinsamen europäischen Wurzeln ansprechen und zeigen, welchen gemeinschaftsstiftenden Wert die Europäische Union besitzt, deren Bürger wir neben unserer nationalen Staatsbürgerschaft sind", heißt es bei den Vereinsmitgliedern.